My Writings. My Thoughts.
Batman R.I.P., Final Crisis und die Nachwehen
by Manuel | | March 16th, 2009 | Manuel, columns & rants, comics

“Von Fans, Fanatisten, Fledermausschänderei und einer Dystopie”
Was sind das für Turbulente Zeiten die der Dunkle Ritter in den letzten Monaten hinter sich brachte? Geplagt vom Kampf gegen drei gewalttätige Nachahmer in Gotham City brachte Grant Morrison den maskierten Rächer an seine psychischen Grenzen, diese in Physische durchbrochen wurden als er im Kampf der Finalen Krise des DC Universums von einem Gott, Darkseid, getötet wurde. Ja, sollten es einige von euch noch nicht mitbekommen haben; Bruce Wayne ist tot.

Man mag fast endgültig sagen, doch das DC Universum wäre nicht was es ist, wenn es seine geliebten Verstorbenen nicht wieder in das Reich der Lebenden zurück bringen würde. Sei es nun ein Hal Jordan (Green Lantern), Barry Allen (The Flash), Jason Todd (Robin II) oder Clark Kent (Superman). Seien wir ehrlich, es wäre schon fast schockierender wenn gar kein DC Held bei den größeren Megaevents den Löffel abgeben würde, denn das Endresultat ist doch nach wie vor das Selbe – sie kommen wieder. Ob man will, oder nicht, Särge können nicht fest genug Zugenagelt sein.
Obwohl es so sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass Bruce Wayne eine massive Neugeburt erleben wird bin ich sehr oft über manche Meinung aus den Communities überrascht. Da wird DC Comics “Gottes Vergewaltigung” an den Kopf geworfen. Kritisiert dass sie ihren eigenen Helden – sprich wörtlich – umbringen und auf seinem Grabe tanzen. Tatsächlich vergessen diese Fans allerdings auch wie Lukrativ eine solche Aktion ist. Die reguläre Batman Serie in den USA zählt seit 2003 endlich wieder auf längere Distanz zu den Top 5 bestverkauften Comicmagazinen, ein Luxus der dem Comic in den letzten 6 Jahren verwehrt blieb. Auf einem so überfüllten Markt wie dem amerikanischen Comicsektor ist das eine riesen Sache. Selbst für eine multimillionen schwere Figur wie den Fledermausmann.
Es ist fraglich wo genau diese unheimliche Angst vor Veränderung herzuführen ist? Der Fan an sich ist ein unheimlich arrogantes Wesen. Er frisst nur was er kennt. Ob das was er kennt sich in mehreren Jahren schon zu tode gelaufen hat oder nicht ist ihm da völlig Egal. Man zahlt scheinbar lieber Geld für durchschnittlich aufgewärmte Lesekost als es leckeres Häppchen Individualität und Kreativität zu dinieren. Man mag mich einen Morrisonianer beschimpfen, aber was dieser Herr aus den Batmancomics der letzten Jahre herausgeholt hat ist ein regelrechter Kniefall vor dem Herren. Batman lebt und atmet wieder, er wurde erneuert und seine Geschichten sind frischer denn je. Was man als Anhänger der Fledermaus zu lesen bekommt sind mehr als schlichte Comicabenteuer Monat für Monat. Es sind Charakterstudien, Comicpsychologie und der Versuch Batman zu relativieren. Es sind interessante Geschichten, Stories voller Tiefsinn – mehrschichtig und packend. Geschrieben von einem Fan für Fans. Und dennoch wollen es die Fans nicht fressen. Sie nehmen es in die Hand, spucken drauf und werfen es zurück.
“Warum kriegen wir nicht einfach was wir wollen?”, schreit es aus einer Ecke. “Wieso vergewaltigt ihr unseren Lieblingshelden anstatt ihn in schon da gewesene Abenteuer zu packen, die sowieso einen Logikfehler nach dem anderen aufweist, da Batman mit seiner über die Jahre antrainierten Erfahrung, die Fälle schon innerhalb von zwei Seiten lösen müsste?”, schreit es aus der anderen.
Es war Alan Moore der einst einen unheimlich klugen Satz sagte, der perfekt das Verhältnis ‘Fans/Comicverlag’ umschreibt. Er meinte dass der Leitsatz ‘Gib den Lesern was sie wollen’ als solches ein absoluter Unfug ist, da sich Leser nicht darüber im klaren sind, was sie eigentlich wollen. Man muss ihnen geben ‘was sie brauchen’, und was das ist wissen nur die Autoren – ihre Nahrungsgeber. Sicherlich ein relativ hypokritisches Zeugnis, und dennoch sehr Sinnvoll.

Fans werden nämlich immer etwas zum nörgeln finden. Seien es die Oscarnominierungen ihres Lieblingsfilmes oder die Geschichten aus ihren Lieblingscomics. Ich erinnere mich an den Aufschrei der Community in den vergangenen Jahren, wo man Galle geschrien hat dass sich im Comicsektor doch nichts weiterentwickele, wo man auf Knien heulend sich wünschte dass der Figur des Dunklen Ritters endlich neue Facetten gegeben werden. Die Zeit ist nun endlich gekommen, und nun? Fans sind unzufrieden. Fans wollen alles wieder zum Status Quo zurück haben. Man kann im Grunde eine Sache mit Sicherheit behaupten: Fans sind dämlich, und daran wird sich nie etwas ändern. Ich weiß es, ich bin ja ein Fan.
Ich bin schlicht und ergreifend aufgeregt zu sehen, wie sich das ganze jetzt nach der Final Crisis – Batman’s Tod – weiterentwickeln wird. Ich kenne Morrison – bin ja schon seit mehreren Jahren begeisterter Leser seiner Arbeiten – und weiß daher genau dass das ganze noch auf etwas größeres hinaus laufen wird. Die geplanten Comicprojekte die für diesen Sommer geplant werden versprechen schon jetzt großes, vor allem Morrison’s ‘Batman & Robin’ verspricht ein erstklassiger Run zu werden. Ich hoffe auch dass Batman’s Tod noch größere Konsequenzen nach sich ziehen und nicht einfach in einem Jahr durch seine “Rückkehr” zunichte gemacht, er sich das Cape wieder umhängen und erneut gegen das Verbrechen kämpfen wird.
Mit freudiger Erwartung fiebere ich einem neuen Batman… oder vielleicht sogar mehrere neuen, entgegen. Und hoffentlich werden sich diese Welche auch sehr stark von Bruce Wayne unterscheiden. Ein Tim Drake der das Kostüm überstreift und der selbe deprimierte Sack wie Bruce ist, wäre nicht nur uninteressant, sondern auch Kontraproduktiv für die derzeitige Entwicklung der Bilderheftchen, die so unheimlich stark im Gange ist.
Ich wünsche mir ein zweites Knightfall, einen Batman mit seinem eigenen Stil. Macht ihn von mir aus moralischer oder (am besten) unmoralischer. Zeigt mir Jemanden der mit der Verantwortung Batman zu sein nicht wirklich klar kommt und nach und nach psychisch daran zerbricht. Ich will Drama und plausible Psychologie, und keinen magischen “zack zack hier ist er wieder” Schnick Schnack. Sollte Bruce zurück kehren wünsche ich mir nicht nur eine Plausible Erläuterung dieses Umstanden, ich will ihn nicht sofort wieder als Batman sehen. Ich will etwas großes sehen, überrascht werden, ich will mit den Geschichten leiden und lachen. Denn sehen wir es ein, Comics sind Massenunterhaltung, und genau das wollen wir doch alle; Massenunterhaltung auf hohem Niveau.
Ich verstehe es, wenn Leute nicht damit konform gehen wenn “ihr” Batman tot ist, aber warum sind diese nicht in der Lage den Wunsch anderer Menschen zu respektieren dass man frischen Wind in seinem Lieblingscomic haben möchte und abwarten in welche Richtung sich das ganze entwickeln wird? Über die Monate wurde man mit Andeutungen darauf berieselt, und nun bestätigt sich diese Vermutung auch: Batman’s Tod ist erst der Anfang der Geschichte, der Beginn von etwas großem und – vielleicht – auch etwas ganz besonderes. Viele Leser betrachten Batman nur als Bruce Wayne, doch das ist einfach zu simpel gegriffen. Batman ist mehr als das, er ist ein Symbol. Der Gedanke und das Ideal Batmans werden nicht mit Bruce Wayne sterben. nein, es werden andere kommen die dieser Legende Tribut zollen, mit allem das ihnen in ihrer Macht steht, mit aller Kraft.
Der großartige Illustrator und Autor ‘Paul Pope‘ erschuf mit seinem fantastischen Comickunstwerk “Batman: Year 100″ ein dystopisches Heldendrama über einen dunklen Rächer hinter dessen Maske sich kein Bruce Wayne verbirgt, sonder ein Unbekanntes Individuum, das nur ihm bekannte Ziele verfolgt, Gotham City von der Korruption und der Diktatur Amerikas zu befreien. Die Aussage dieses Comics, welche uns zum nachdenken bringt, war schlicht und einfach dass nicht Bruce Wayne DER Batman ist. Batman ist ein Symbol und ein Ideal welches sich Menschen verschreiben um gutes zu tun. Bruce Wayne ist der emotionale Beginn dieser Ära, er hat dieses Monster erschaffen, er ist die Blaupause. Aber Batman ist mehr als Fleisch und Blut, mehr als nur ein Mensch. Er ist ein freier Geist, ein körperloses Wesen auf der suche nach einem Wirt. Eine Theorie die so einfach wie Aussagekräftig ist und in seiner Relevanz unverkennbar. Ich wünschte nur dass mehrere Leser es so sehen und Batman als das akzeptieren, was er nunmal ist: eine Inspiration, eine Idee.
Denn sehen wir es doch endlich alle ein, nehmen wir uns bei den Händen und haben uns lieb: Er wird zurück kehren, ob wir wollen oder nicht, er – der bereits einen Gott tödlich verwundete – wird auch gegen den Tod obsiegen und wieder über das Böse richten. Die Dunkelheit wird uns noch alle einholen, egal was wir tun
“When the cold wind blows, and the night is it’s darkest,
you will whisper my name.
For I am Fear, I am the Bat!”
