by Manuel | | December 16th, 2008 | Manuel, comics, reviews | 2 Comments »

THE CROW
JAMES O’BARR
“A year ago… a cold october night… a broken down car
on a dirt road… a man… a girl…
madness… pain… and shadows…
my god, THE SHADOWS!!”
Viele werden The Crow kennen, nur wenige den Ursprung dieses gotischen Dramas von griechischer Größe. Wahrhaftig zählt James O’Barr’s düster melancholische Tragödie gerade durch den im Jahr 1994 veröffentlichten Kinofilm, in dem Brandon Lee tragisch zum Tode gekommen ist, als Kultklassiker des Gothicthrillers. Und so komme ich schon zum Beginn meiner Review in ein kleines Dilemma. Ursprünglich wollte ich frei von jeglichen Einflüssen dieses kleine Meisterwerk kolonisieren ohne einen Bezug zu Brandon Lee und seiner letzten großen Rolle zu machen, doch es ist ein heikles Thema an dieser Sache vorbei zu kommen. Schließlich ist es gleichzeitig die beste Möglichkeit, eine Kritik zu einem relativ unbekanntem Comic zu schreiben, indem man Bezug auf das Medium nimmt, das diese tragische Geschichte erst bekannt gemacht hat. Doch, um in Gefahr zu laufen mich nun bei einigen von euch unbeliebt zu machen, werde ich nun eine Sache klar stellen: ich finde den Film nett doch auf ganzer Ebene überbewertet. Welchen Grund kann ich denn nur haben um zu diesem Entschluß zu kommen? Er liegt vor mir auf dem Tisch, aufgeschlagen. Und jeder der den Comic gelesen hat und sich mit dessen tragischen Hintergründen befasst, wird mir wohl auch zustimmen.
Um zu verstehen welch tiefere Bedeutung diese wundervolle Graphic Novel hat, muss man die Uhr erst einmal 30 Jahre zurück stellen. Zurück auf das Jahrzehnt in dem James O’Barr’s schmerzen begangen. Um es einmal seicht zu sagen, James O’Barr hatte keine sehr schöne Kindheit. Geboren wurde er als Sohn einer Whitetrashhausfrau in einem veraltetem Trailerpark irgendwo am Rande von Detroit City. Da seine Mutter während seiner Geburt unheimlich betrunken und stoned war, ist sein wahres Geburtsdatum unbekannt. Man weiß lediglich dass sie irgendwann zwischen Heilig Abend und Neujahr statt gefunden hat, wodurch auf der Geburtsurkunde der 31. Dezember vermerkt ist. Lange blieb O’Barr seiner wahren Mutter nicht erhalten, denn nur kurz nach seiner Geburt lebte er eine Zeit lang in einem Waisenhaus, wo er seinen ersten Kontakt mit Stift und Papier machte. O’Barr war schon immer ein sehr verschloßener Junge und hat kaum mit anderen Menschen geredet. Das macht sich besonders in seinen aktuellen Interviews bemerkbar, in denen er förmlich nach Wörtern ringt.
Das wirkliche Drama begann erst in der Highschoolzeit. Dort verliebte er sich unsterblich in ein Mädchen das ironischerweise das genaue Gegenteil zu ihm war. Er war der Zyniker der kaum redete und fast nur schlechtes in der Welt und Menschheit fand, und sie war die Wortgewandte die alles gute in den Menschen sah. Sie war quasi sein neu errungener Lebenswille, eine neue Energie die ihm in seinem Leben Kraft gab und es um einen Sinn bereicherte. Scheinbar wart irgendetwas gegen dieses Glück, denn etwa ein halbes Jahr vor der Hochzeit wurde O’Barr’s verlobte auf offener Straße von einem betrunkenen Autofahrer niedergefahren und umgebracht. Den Fahrer hat man bis heute nicht gefunden.
Scheinbar war es genau dieses tragische Ereignis das O’Barr auf den Boden der Tatsachen rüttelte. Sein Leben verlor jeden Sinn, er war geladen – voller Wut, Hass und Trauer. Es traumarisierte ihn so sehr dass er einzig und allein durch das Zeichnen ein gewisses Ventil finden konnte, mit dem er seinen Depressionen freien Lauf lies. 1981 begann James O’Barr mit seiner Arbeit an The Crow. Ein Werk, das nicht nur seine ganz persönliche Psychotherapie sein und ganze 8 Jahre an schmerzhaften Erinnerungen und Überwindungen bis zur Vollendung in Anspruch nehmen, sondern auch ein riesiges Franchise mit sich nachziehen, den Gothic kommerzialisieren und James O’Barr zu einem der gefragtesten Standalone Künstler machen sollte.
“‘Mr, Jones?’
‘Y-Yes, Sir…’
‘Are there Spots in a leopard’s Eyes, also?’”
The Crow ist die Geschichte von einem Mann (Eric) der von den Toten auferstanden ist und nach Rache dürstet. Noch ein Jahr zuvor wurden er und seine Verlobte (Shelly) auf einer offenen, gottverlassenen Landstraße irgendwo in der ländlichen Gegend um Detroit von einer Gang, bestehend aus fünf Punks, brutal ermordet. Während der Körper seiner verlobten, Shelly, noch während ihrer furchtbar unmenschlichen Vergewaltigung schlapp machte, musste Eric das gesamte Drama schwer verwundet betrachten. The Crow ist die Geschichte von einem Mann (Eric) der von den Toten auferstanden ist und nach Rache dürstet. Noch ein Jahr zuvor wurden er und seine Verlobte (Shelly) auf einer offenen, gottverlassenen Landstraße irgendwo in der ländlichen Gegend um Detroit von einer Gang, bestehend aus fünf Punks, brutal ermordet. Während der Körper seiner verlobten, Shelly, noch während ihrer furchtbar unmenschlichen Vergewaltigung schlapp machte, musste Eric das gesamte Drama schwer verwundet betrachten.
Immer mit der imaginären Krähe im rücken die ihm zischend zuflüsterte “Don’t look Eric, it’s okay”, konnte er ihrem Ruf nicht folge leisten. Eric sah zu… er sah alles. Und auch wenn die Ärzte einen klaren Hirntot diagnostizierten, so war er trotzdem bei vollem Verstand. “Let’s get outta here. You have responsibilities, Junior.”, zischte die Krähe Eric noch ein letztes mal zu, ehe auch er, während seiner Operation, das Leben aufgab.
Sein Schicksal wart besiegelt und die Krähe, der Vogel des Todes, bringt seine gequälte Seele zurück in die Welt der Lebenden. Eric kennt seine Aufgabe, er kennt sie gut. Vergeltung, seine Peiniger müssen leiden so wie er gelitten hat. Einer nach dem anderen wird sterben. Blutig, brutal, ohne Gnade. Doch wo endet Recht und wo beginnt Unrecht? Welchen Sinn hat Rache wenn sich Eric’s Opfer ihrer Schuld nicht einmal im klaren sind, und nicht wissen, was sie ihm angetan haben? Und kann Eric mehr bewirken als nur seine eigenen, egoistischen Gelüste zu stillen und seiner perversen Ideologie von Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen?
“Bring me the Head of David, she said.”
Wie ich schon geschrieben habe, ist die Geschichte von The Crow ganz sicher kein Tiefkomplexes Zeugnis vom Kaliber eines Alan Moore. Doch das soll es auch gar nicht sein. Es war nicht O’Barr’s Wille eine Geschichte zu schreiben die den Leser an der Hand packt und ihn durch einen tiefsinnigen Plot führt, genauso wenig wie es von ihm beabsichtigt war ein Werk zu kreieren das unterhalten soll. Das sind nicht die Dinge die The Crow auszeichnen und das waren sie noch nie. The Crow ist O’Barr’s Ventil seiner eigenen Frustrationen. Das eintauchen in seine persönliche Hölle. Der Spiegel seiner kalten Seele und ein lesbares “Fuck You” an Gott, die Welt und allem was ihm versagte endlich glücklich zu sein. Doch was ist es nun eigentlich, das uns als Leser so sehr an dieser Geschichte mitnimmt? Warum lesen wir diese 220 Seiten lange Entladung an Frustrationen, Depressionen und Hass? Die Antwort ist dabei genauso durchtrieben und undefinierbar wie dieses Projektil einer kalten Realität hoch selbst. Sie liegt im Detail. Und nur wenn man die vielen Metaphern, die sich über diesen völlig in Schwarz-weiß gehaltenen Band verteilen, betrachtet – die Kleinigkeiten ins Auge fasst und Erics Zitate um Milton und Voltaire verfolgt, so wird man sich erst diesem besonderem Genuß im klaren sein. So wenn man doch will.
Würde man mich bitten The Crow in einem Wort zusammenzufassen, so würde ich immer auf “ungemütlich” zurück greifen. Ungemütlich ist der Comic auf so vielen Ebenen. In Erster Linie wäre da die ruchlose Gewalt mit der Eric vom Opfer zum Vollstrecker mutiert. Erics Mittel seinen Rachedurst zu stillen sind dabei so rabiat wie man es sich nur vorstellen kann. Sei es der Moment in dem Eric einem Kleinganoven Finger und Zähen mit einer Zange entfernt hat, bis er alle Informationen bekam die er haben wollte. “I would have brought the fingers as documentation, but he had to eat them also.” Oder die Stelle in der er einem seiner Mörder, Tom-Tom, mit einem Samuraischwert die Beine abgehackt hat und ihn langsam an den Wunden verbluten lies.
James O’Barr selbst hat Erics grausames Handeln in aller Einfachheit, treffsicher zusammengefasst. “Wenn Eric in eine Bar geht um an einer Person Rache zu nehmen, so wird garantiert jede Person im Raum sterben. Egal ob Schuldig oder nicht. Was Eric macht ist zwar irrsinnig romantisch, aber er ist sicher kein Held”. Und da haben wir schon den springenden Punkt der den Comic im vergleich zur filmischen Umsetzung so stark unterscheidet: Im Film ist Eric ein Held. Er tötet die bösen Buben. Sicher ist sein Handeln auch im Film bedenklich, doch die Welt in der er agiert wird ein besserer Ort sein wenn Eric alle Verbrecher aufgemischt hat. Eric im Comic ist schlicht und ergreifend ein Psychopath. Was er tut ist alles andere als heldenhaft. Eric kennt keine Skrupel, der Himmel hat ihn wieder ausgespuckt, gab ihm Unsterblichkeit und eine imaginäre Krähe die sein blutiges treiben auch noch zynisch ermutigt. Er hat sämtliches Empfinden für Recht und Unrecht verloren, er ist ein Vigilant, ein Massenmörder mit null Empathie. Als Leser wird man ständig vor ein Dilemma gestellt. Zum einen versucht man Erics Taten zu billigen. Man versucht sein treiben zu verstehen und beginnt damit sich einzureden dass man selbst in seiner Situation wohl genauso handeln würde. Doch dann wiederum vermittelt James O’Barr einem ein unangenehmes Gefühl, dass man als “Zuseher” quasi selbst das Ruder verliert, dass man den Sinn für Gerechtigkeit wie auch Eric über Bord wirft. Und das ganze wird auch noch durch eine Kleinigkeit unterstrichen, die, so marginal sie auch zu sein scheint, irrsinnig schockiert. Eric genießt es, jede Sekunde, jede Schmerzen die er bereitet. Es ist ihm ein wahrhaftiges Fest.
Ohne dass es O’Barr wirklich will, wird der geneigte Leser hier mit einer wohlwollenden Klausel über Selbstjustiz belehrt. Man wird förmlich selbst in Erics blutiges treiben mit einbezogen und sieht sich selbst an Erics Seite. Was würde man selbst tun? Wie weit würde man gehen? Allein das macht diesen Comic so viel intelligenter als es die Filmadaption überhaupt sein könnte. Während Eric im Film ein triumphierender Engel ist, der das Böse besiegt um für seine geliebte den Frieden im Jenseits zu erkämpfen, hat man es in der Graphic Novel mit einer weitaus vielschichtigeren Figur zu tun. Die Art, wie Eric seine Feinde dezimiert, mag auf einer gewissen Basis berechtigt sein, doch im Prinzip ist er in erster Linie eines: ein Gewalttäter der eigene egoistische Ziele verfolgt, die definitive Perversion eines Triebtäters. Man kann für Eric sicherlich viel empfinden, man kann ihn verstehen. Man kann mit ihm leiden, doch eines… wirklich eines kann man nicht; man kann sich nicht mit ihm identifizieren, nicht solange man nicht selbst durch seine Hölle gegangen ist. Sieht was er gesehen hat.

O’Barr stellt den Comic in ein moralisches Dilemma nach dem anderen. So sehr wir Erics tanz mit dem Tod auch verstehen mögen, so wenig können wir uns mit seinen Gefühlen gleich setzen. Man müsste fast meinen dass die einzige Person mit der sich der Leser wirklich im Einklang spürt Shelly ist, doch dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. Ich will keineswegs grausam oder kalt klingen, doch Shelly ist im Grunde nur das logische Produkt das Erics Feuer schürt. Ihre einzige Aufgabe ist es, vergewaltigt zu werden und zu sterben… und Eric mit den Erinnerungen an sie und ihrem Tod zu quälen. James O’Barr lässt keine Gelegenheit aus um es uns unter die Nase zu reiben. Die meiste Zeit wird Shelly als Götzenbild dargestellt. Wenn Eric sich an sie erinnert, passiert dies zu meist in den wunderschön in Aquarell gehaltenen Traumsequenzen. O’Barr stellt Shelly als Muse dar, als Engel und starke spirituelle kraft. Es fällt daher schwer eine persönliche Verbindung mit ihr aufzubauen. Nüchtern betrachtet sollen wir das auch gar nicht. Man soll lediglich verstehen, wieso Eric tut, was er nunmal tut. Und in den Traum- und Flashbacksequenzen sehen wir es ganz genau. Eric hat Shelly geliebt, Shelly, dieses wunderschöne, naive, junge Wesen. Mehr als das, er vergötterte sie, hob sie auf ein kleinen Podest. Shelly… seine treibende Kraft… sein einziger Grund wieso er existiert.
O’Barr stellt den Comic in ein moralisches Dilemma nach dem anderen. So sehr wir Erics tanz mit dem Tod auch verstehen mögen, so wenig können wir uns mit seinen Gefühlen gleich setzen. Man müsste fast meinen dass die einzige Person mit der sich der Leser wirklich im Einklang spürt Shelly ist, doch dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. Ich will keineswegs grausam oder kalt klingen, doch Shelly ist im Grunde nur das logische Produkt das Erics Feuer schürt. Ihre einzige Aufgabe ist es, vergewaltigt zu werden und zu sterben… und Eric mit den Erinnerungen an sie und ihrem Tod zu quälen. James O’Barr lässt keine Gelegenheit aus um es uns unter die Nase zu reiben. Die meiste Zeit wird Shelly als Götzenbild dargestellt. Wenn Eric sich an sie erinnert, passiert dies zu meist in den wunderschön in Aquarell gehaltenen Traumsequenzen. O’Barr stellt Shelly als Muse dar, als Engel und starke spirituelle kraft. Es fällt daher schwer eine persönliche Verbindung mit ihr aufzubauen. Nüchtern betrachtet sollen wir das auch gar nicht. Man soll lediglich verstehen, wieso Eric tut, was er nunmal tut. Und in den Traum- und Flashbacksequenzen sehen wir es ganz genau. Eric hat Shelly geliebt, Shelly, dieses wunderschöne, naive, junge Wesen. Mehr als das, er vergötterte sie, hob sie auf ein kleinen Podest. Shelly… seine treibende Kraft… sein einziger Grund wieso er existiert.
Gerade eine der eindringlichsten Stellen in der Graphic Novel ist Erics Erinnerung an die Nacht ihrer Ermordung. Eric schneidet sich die Pulsadern mit einem Rasiermesser auf, er schreit, weint, und wir verstehen. Eigentlich sollte uns die Ermordung an Shelly mitnehmen. James O’Barr verschönt nichts. Shelly wird aus dem Auto gezerrt, weil sie nicht aufhört zu schreien wird auf ihr Gesicht eingetreten. Fünf Männer ficken sie und sie kann sich nicht dagegen wehren, so sehr sie es auch versucht. So sehr sie auch nach Eric schreit. Das treiben zieht sich so lange, bis T-Bird ihren halben Kopf wegschießt. Doch auch da hören ihre Qualen nicht auf. Funboy vergeht sich genüsslich an ihrer Leiche, demütigt sie. So Skrupellos und morbid diese Stelle dargestellt wird, so werden wir nicht auf die schmerzen Shellys aufmerksam. Wie auch? Das ist ihre Aufgabe. Shelly soll sterben. Was uns wirklich bekümmert ist Erics versagen. Eric schneidet seine Arme auf, aber nicht wegen der Ermordung generell, sondern aus schlichtem Selbsthass. Eric wird jetzt erst klar wie sehr er doch versagt hat. Er hätte etwas tun sollen. Er sagte Shelly dass alles wieder gut wird, es war eine Lüge. Eric erkennt was für ein Monster aus ihm geworden ist. Er hasst sich selbst für alles was er nicht getan hatte und für alles was er vielleicht hätte tun können. Auf einmal scheinen auch wir einzusehen dass das was Eric tut nicht nur aus narrenhafter Liebe zu einer Frau passiert, dass es nicht nur sein überromantisches verhalten ist, welches ihn auszeichnet. Eric ist zurückgekehrt um Fehler der Vergangenheit auszubessern und geschehen Dinge wieder gut zu machen. Nicht nur den Fehler Shellys Ermordung - auch wenn das erst der Katalysator für sein leben nach dem Tod ist. Sondern viel mehr die Fehler die er selbst begangen hat. So peinlich naiv es für uns scheinen mag, so logisch ist diese Konsequenz in Erics Augen. Wie würden wir handeln? Was würden wir tun?
“Seven blackbirds in a tree,
count them, count them, and see what they be
one for sorrow, two for joy,
three for a girl, four for a boy
five for silver, six for gold
seven for a secret, that’s never been told…
…
YOU ARE ALL GOING TO DIE!”
“
Eric tötet aus so vielen Gründen. Aus Gründen der Leidenschaft, Liebe oder auch naivem Selbsthass. Und dennoch, so sehr Eric dafür kämpft diese Furchtbaren Dinge in einen logischen Einklang zu bringen, so muss er sich selbst damit konfrontiert sehen dass all seine taten keine Auswirkungen haben. Natürlich metzelt sich Eric durch eine große Schicht Detroit’s organisiertem Verbrechens. Aber ist es letzt endlich nicht so, dass das Verbrechen eine uralte Kraft ist, derer man unmöglich abtrünnig werden kann? Die Wunde die Eric in diesem Verbrechenszyklus hinterlässt ist marginal, es werden sich andere Verbrecherschichten auftun. Dagegen kann Eric nichts bewirken. Er wird fort sein, das Verbrechen allerdings nicht. Noch in der Filmumsetzung kann man sagen dass die Welt ein besserer Ort werden wird. Eric tötete quasi den Kingpin der Stadt und all seine Gefolgsleute. Hier allerdings tötet Eric lediglich ein paar kleine Fische, quasi der Fuß der Nahrungskette. Das macht den Comic so bittersüß. Wir sehen dass Eric zwar aus seiner eigenen egoistischen Perspektive Erlösung finden wird, die Menschen von Detroit werden allerdings an den Nachwehen seiner taten leiden. Für sie wird es keine Erlösung geben.
Ein schöner Dialog findet zwischen Eric und einem kleinen Mädchen namens Sherri statt. Eric versuchte zuvor Sherris Mutter auf den richtigen Weg zu bekehren und sie dazu zu bringen sich um ihre kleine verwahrloste Tochter zu kümmern. Während ihm das im Film gelang sieht die Realität im Comic leider so aus dass Sherri’s Mutter nach wie vor die Spritze anbeten wird und ihre Tochter auch weiterhin verwahrlosen lässt. In dem Dialog zwischen Eric und dem Mädchen macht Eric ihr klar dass er ihr nicht helfen kann. Eric ist selbst machtlos gegen all das schlimme das auf dieser Welt geschieht doch er verspricht ihr dass irgendwann Sonne auf die Erde strahlen wird und Sherri dann nur gutes widerfährt. Ein modriger Geschmack schießt einem in den Magen, so versprach er doch auch Shelly dass er sie beschützen wird. Eric hat unrecht, und nichts wird für das Mädchen gut werden. Auch sie wird ein Opfer von Detroits krimineller Oberschicht.
Es ist fast schon ironisch dass gerade Sherri die einzige Person im Comic ist mit der wir uns als Leser am verbundensten fühlen. Sherri ist eine Art Spiegel für uns in dem wir erst erkennen dass wir doch selbst schon so oft diesen Wunsch nach Gerechtigkeit und Fairness in uns trugen, nur um kurz darauf von der kalten Realität eingeholt zu werden. Und so fügt sich das Muster zusammen, Eric empfindet genauso. Was ihn von Sherri unterscheidet, ist seine Obsession dieses Bedürfnis in perversester Art und Weise auszuleben während Sherri das wahre Opfer dieser furchtbar grausamen Realität ist. Für sie wird es keine Erlösung geben, für Eric schon.
Genau da brilliert The Crow auf ganzer Ebene. Ich würde nicht sagen dass es ein besonders gut geschriebener Comic ist, per se. Aber was es ist kann man gut und gerne als eines der vielleicht symbolischsten Werke der Comicgeschichte bezeichnen. Es ist geladene Wut. 220 Seiten voller Hoffnungslosigkeit, Trauer und Verzweiflung. Dabei gelingt O’Barr ein Kunststück, welches man ihm schwer anrechnen muss. Auch wenn er einen Comic geschaffen hat, der vollkommen ohne Helden auskommt, so fühlen wir zu jeder Situation mit Eric. Wir akzeptieren seine Taten und betrachten es als die logische Konsequenz von dem an, was ihm widerfahren ist. Mögen seine Taten auch noch so unberechenbar sein und aus blinder Wut geschehen. Doch wir verstehen Eric nicht durch sein Handeln selbst, sondern viel mehr durch dritte Personen hindurch. Mag es Sherri sein, die als Spiegel von Erics trauernder Seele gilt oder auch seine Opfer, die uns verdeutlichen weshalb Eric zu diesen Mitteln greift.Genau da brilliert The Crow auf ganzer Ebene. Ich würde nicht sagen dass es ein besonders gut geschriebener Comic ist, per se. Aber was es ist kann man gut und gerne als eines der vielleicht symbolischsten Werke der Comicgeschichte bezeichnen. Es ist geladene Wut. 220 Seiten voller Hoffnungslosigkeit, Trauer und Verzweiflung. Dabei gelingt O’Barr ein Kunststück, welches man ihm schwer anrechnen muss. Auch wenn er einen Comic geschaffen hat, der vollkommen ohne Helden auskommt, so fühlen wir zu jeder Situation mit Eric. Wir akzeptieren seine Taten und betrachten es als die logische Konsequenz von dem an, was ihm widerfahren ist. Mögen seine Taten auch noch so unberechenbar sein und aus blinder Wut geschehen. Doch wir verstehen Eric nicht durch sein Handeln selbst, sondern viel mehr durch dritte Personen hindurch. Mag es Sherri sein, die als Spiegel von Erics trauernder Seele gilt oder auch seine Opfer, die uns verdeutlichen weshalb Eric zu diesen Mitteln greift.
Gerade hier ist der Comic wirklich Stark: in der Charakterisierung der Gangster die von Eric gejagt werden. Allen voran der wunderbar ausgearbeitete Funboy, dessen Tat Shellys Leiche zu schänden das wohl grausamste Produkt war. Dabei bleibt ein Zitat von Funboy ganz besonders im Kopf hängen. “Ich wünschte ich könnte sagen dass es mir leid tut was ich getan habe, aber das tut es nicht. Ich bin ein Monster und brenne im Innersten”. Erics Hilflosigkeit wird auf diesem Weg gezeichnet. Er kann zwar jeden töten der für den Tod von Shelly und ihm verantwortlich war, doch welchen Moralischen nutzen hat es letzt endlich wirklich? Wie kann man einem Menschen seine grausamen Taten vorzeigen, wenn er doch keinerlei Vernunft kennt? Eric kann sie töten, allerdings nicht bekehren.
“We do not recognize our souls until they are in pain…”
So unbequem und deprimierend es auch ist The Crow zu lesen, so faszinierend ist doch der Comic als großes Ganzes betrachtet. In erster Linie sehen wir nur eine simpel gestrickte Rachestory mit einem schier unbesiegbaren Protagonisten. Doch worauf wir viel mehr achten sollten ist die Symbolik die so raffiniert mit der Story in Einklang geht. James O’Barr hat eine der traurigsten und gleichzeitig beängstigendsten Liebesgeschichten der modernen Literatur erschaffen. Wenn man die Möglichkeit hat sollte man… nein, MUSS man sich ihrer hingeben. The Crow ist ein tragisches Zeugnis von durch Wut geführter Kreativität. Ein symbolisches und philosophisches Manifest derer Tiefe und Schwere sich der Leser nicht mehr entziehen kann. Es lässt einen über die Menschlichkeit als ethischen Komplex nachdenken und verleitet einen darüber zu philosophieren. Simpel ausgedrückt ist es eines: ein tiefgreifendes Gothicdrama, welches mit Neil Gaimans The Sandman ein ganzes Genre definierte und auch heute noch an seiner Aktualität nichts einbüßt. Man muss es einfach selbst gelesen haben. Das rate ich jedem, der bereit ist in die Tiefen der menschlichen Seele einzutauchen und ein Stück davon abzunagen… es wird ein köstliches Mal sein.
