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Comic Quickie | Batman: Devil's Asylum

by Manuel | | February 10th, 2010 | Manuel, columns & rants, comics, reviews

Man stelle sich einmal vor dass man bereits seit dem zarten alter von 4 Jährchen tüchtig damit beschäftigt ist seine Comicsammlung aufzustocken. Für wahr kommen da so einige Perlen zusammen bei denen es schon gefunkt hat, als man mit seinen zarten Händchen das einladend glatte Hochglanzcover berührt hat. Eine Liaison zwischen Leser und Lesestoff, ein Funke der sich zu einem wilden Feuer entwickelt hat. Geschichten die Berge versetzen können, die inspirieren und zum nachdenken anregen. Selbst viele Stunden nachdem man die letzte Seite zugeschlagen hat. Wie nennt man das? Euphorie? Wahrlich fallen einem die Schuppen von den Augen, und vor lauter Begeisterung vergisst man regelrecht zu zwinkern, und die warmen Tränen die sich über das frisch luftschnappende Auge legen mögen zwar nicht die Bleichen Schuppen ersetzen können, lassen den Blick auf andere, beschauliche Werke aber dennoch ungemein limitieren.

Das soll natürlich nicht heißen dass man diese ‘anderen’ Werke vollkommen an sich hat vorbeiziehen lassen. Im Gegenteil, man liest sie, wirklich! Findet sogar gefallen an ihnen und bemerkt das Verstreichen von so manch unterhaltsamer Stunde. Trotzdem erscheint einem der zugrunde liegende Stoff als nichts weiter als eine unterhaltsame Trivialität, mit der man sich auch nicht weiter befassen möchte. Man merkt allerdings nicht, wie unrecht man dieser Lektüre allerdings tut. Und erst wenn man sie rund 13 Jahre später wieder aus der Mottenkiste herausholt und der Nostalgie wegen darin stöbert, die Tränchen wegwischt und sich der Poesie der Bilder vollends hingibt, fällt auf, dass einem etwas entgangen ist, das in Zeiten des Superheldenbombast zur Seltenheit geworden ist: ein stilles Meisterwerk.

Die Geschichte selbst könnte simpler nicht gestrickt sein. Kryppen, ein kleiner Giftmörder der aufgrund seines … extraordinären … Talentes, tödliches Gift aus seinen eigenen, körperlichen Sekreten zu gewinnen, unter ständiger Videobeobachtung innerhalb Arkhams Intensivstation steht, schließt einen Pakt mit dem Teufel – Neron. Der Teufel bietet Kryppen ein gar verführerisches Angebot, das nicht weniger als die Herrschaft über die gesamte Welt beinhaltet. Doch um in den Genuss dieser zünftigen Kost zu kommen, benötigt der Teufel zunächst eine Seele. Allerdings ist es nicht die Seele Kryppens, an die er interessiert ist. Nein nein, mit einem kleinen geistesgestörten Triebtäter weiß die Personifikation des Bösen nichts anzufangen. Viel mehr dürstet es den Unendlichen nach Gothams ganz eigenem Dämon der Nacht. Nun liegt es an Kryppen die Aufmerksamkeit von eben diesem zu gewinnen… und das um jeden Preis.

Es ist schon ironisch wenn man erst nach so vielen Jahren bemerkt, dass diese Geschichte zentral doch eine der interessantesten Themen moderner Batmangeschichten aufwirft, die aktuell in Grant Morrisons fabelhaftem derzeitigen Batmanrun aufgegriffen wird: Batman gegen den Drachen, den alten Mann, den Dämon – der Teufel. Doch dieser fast schon irrwitzige Twist wird so subtil in das Geschehen eingebaut, dass man es bewusst zunächst gar nicht wirklich wahr nimmt. Erst nach eingehendem studieren des Stoffes fallen so viele interessante Facetten und Strukturen auf die für sich stehend bereits ganze Bände füllen könnten. Wie kann Batman, ein Mensch aus Fleisch und Blut gegen eine Böse Kraft, so alt wie die Welt selbst, antreten und in einem direkten Kampf die Überhand gewinnen? Nicht überraschend ist es vor allem die psychologische Komponente dieser Auseinandersetzung, die den Ton der Musik angibt. Natürlich versucht der Dunkle Ritter Satan dort zu treffen, wo er es am wenigsten erwartet und es ihn doch am meisten schmerzt: seine Psyche. Dass dieser psychologische Kampf – Mann gegen Monster – innerhalb DCs Hauptstadt der Geisteskranken, nämlich Arkham, stattfindet – und der Teufel sich von dort aus sein irdisches Reich errichten will – versetzt dem Leser einen Schlag in die Magengrube, der so wunderbar sitzt als würde man die Faust ins Auge und einen Nagel in den Kopf gepfeffert bekommen.

Was das ganze vor allem interessant macht, ist die symbolische Komponente die zwischen den Zeilen steht. So macht sich Batman schon seit mehreren Jahren das Antlitz Satans zu nutze, kleidet sich in dessen Farben und Formen und versucht in Dämonischer Gestalt das Verbrechen in seinen Grundfesten zu zerstören. Scharfe Hörner krönen sein Haupt, ein kilometerlanges, zerfetztes Cape aus schwarzem Leder wie die Flügel eines Drachens schlingt sich um ihn, hüllt ihn ein und umarmt ihn förmlich, so wie er täglich die Nacht, den Wahnsinn und die Gewalt umarmt und willkommen heißt. Er ist eine Perversion von all dem,wofür der wahrhaftige Fürst der Finsternis steht. Nun tritt der Teufel, mit all seiner aus Rachsucht gewonnenen Macht auf den Plan um Batman Absolution zu erteilen, und ihn auf dessen blutige Seite zu ziehen. Wie so oft ist es Batmans ständiger Zwiespalt zwischen Rache und Gerechtigkeit die den entscheidenden Tropfen in das Fass kippt. Was bringt ihn dazu seine Ideale zu verraten und Vergeltung an seinen vielen Widersachern zu üben? Würde er es tun um dafür das Überleben hunderter zu gewährleisten? Ist der Verlust seiner Seele an den Leibhaftigen das schlimmste Übel das ihm zuteil wird, oder steht viel mehr die Angst in die Grube des eigenen Wahnsinns zu fallen im Vordergrund?

Getextet wurde das ganze von Alan Grant, der bereits 1995 (als dieser Comic veröffentlicht wurde) ein alteingesessener Hase in der Branche war. Viele werden wohl den ersten Kontakt mit ihm gemacht haben, als er noch die Manuskripte zu der dystopischen Technoir-Satire Judge Dredd für das britische Comicmagazin “2000 AD” verfasst hat. Für Batman hat er unter anderem einige der relevantesten Charaktere der ‘Modern Age’ mitbegründet, die auch heute noch fixer Bestandteil des Batman Multiversums sind. Neben dem anarchischen Freiheitskämpfer Anarky (in dessen eigener Miniserie nicht nur viele politische Ansichten Grants mit einflossen, sondern auch seine ganz persönliche Betrachtungsweise von Religion) und dem psychopathischen Auftragskiller Tally Man, gehen auch Dr. Jeremiah Arkham – der Neffe von Amadeus Arkham und neuer Leiter der Irrenanstalt, und der Triebtäter mit Sinn für das ästhetische im Sterben, Mr. Zsasz. Die letzten Beiden sind auch hier in einigen mehr oder minder schlagkräftigen Nebenrollen Vertreten. Vor allem Jeremia entführt den Leser in sein ganz persönliches Tagebuch, und lässt uns einen Blick auf seine… unorthodoxen… Therapiemethoden erhaschen. Wieder einmal bemerkt man dass die Linie zwischen Genie und Wahnsinn dünner nicht sein kann.

Devil’s Asylum ist wahrlich ein Heidenspaß… sogar für Nichtheiden. Auch wenn man nach gerade einmal rund 40 Seiten gemeinsam mit Batman in die Nacht entlassen wird, sind es 40 Seiten die ein Lächeln, sowohl auf den Mündern von Batmanfans, als auch von Hobbyesoterikern und Sonntagssatanisten, wie auch ewigen Goths und Gruftis  zaubern werden. Ganz nebenbei gesagt ist es vermutlich eine der kompaktesten, spannendsten und mitreißendsten Batmangeschichten der letzten 20 Jahre die vor allem Arkham Veteranen, die selbst nach solchen Werken wie A Serious House On A Serious Earth noch immer nicht genug vom Etablissement für geistig Verwirrte haben, mit all seinen liebevollen Details im Bezug auf dessen Infrastruktur, begeistern wird.

There… I said it…!

Mystery - Horror
Alan Grant, Rick Burchett, Brian Stelfreeze
Cover: Dave Taylor
© 1995, DC COMICS

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