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Filmrezension: Komm, Süßer Tod | "komm, süße groteske" teil 1

by Manuel | | January 13th, 2009 | Manuel, movies, reviews, videos

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KOMM, SÜSSER TOD
WOLFGANG MURNBERGER

Jetzt ist schon wieder ‘was passiert…
An und für sich gehöre ich nicht zu den Leuten,
die sich sofort
bekreuzigen wenn ein Rettungsauto vorbei fährt…
damit man nicht der N
ächste ist, den der Computertomograph
in 100.000 kleine Scheiben schneidet…
aber pass auf, was ich dir sage…

Der österreichische Film ist schon ein Schmäh für sich. So wie die Amerikaner wohl ein riesiges Fragezeichen über ihren Köpfen schweben haben, wenn diese teuflischen Briten versuchen ihren pechschwarzen Humor in filmischer Form den Amis näher zu bringen, so werden die Deutschen… die Piefkes… nicht viel anders über den grotesken Ausguss der österreichischen Komik denken. Vor allem dann wenn wir Ösis uns in den einheimischen Comedyformaten der Bordsteingermanen ‘rum treiben. Für wahr, verübeln kann ich diese verhaltene Freude, wenn sich zum Beispiel ein Alfred Dorfer im “Quatschcomedyclub” ‘rum treibt oder ein Josef Hader sich über die frische Landluft und der Frischen Walderde unserer Alpenrepublik (“die aus totn, krepiertn, verwestn, schiachn Leichn gwochsen ist. Quasi der Stoff der aus dia g’mocht is”) bei “Neues aus der Anstalt” lustig macht, meinen Lieblingslandesnachbarn nicht.

Denn wenn man den Ösihumor in ein paar dahergeflogenen Begriffen beschreiben mag, würde man sich wohl bei “morbid, zynisch, sarkastisch, doof und in gewissem Maße ‘beleidigend’” bedienen, und verstehen tut man uns auch nicht. Wie sollen wir dann von anderen gemocht werden, wenn wir uns scheinbar nicht einmal selbst richtig mögen? Einen großen Unterschied an diesem Umstand hat Wolfgang Murnberger’s ‘Noir-Groteske’ “Komm, süßer Tod”, die auf dem gleichnamigen Kultroman des österreichischen Bestsellerautoren Wolf Haas basiert, wohl eher weniger bewirkt. Wenn überhaupt kann man Murnberger das genau Gegenteilige nachsagen. “Komm, süßer Tod” ist schwarz wie die Nacht, stellenweise makaber, dank seines Hardcorewienerslangs teilweise sogar für mich Grazer nur schwer verständlich, und der Mörder ist dann auch noch ein Piefke. Eine Frechheit, oder?

“I weiß eh scho wer da Mörder is’…’
‘Wer?’
‘Da Piefke
‘…wieso?’
Die Mörder san imma die Deitschen.’
‘Trottl!‘”

Der Brenner ist eigentlich ein ganz ein schlimmer. Als er noch bei der Polizei war, hat er die Frau seines Vorgesetzten “gepudert”. Das hat dem Herrn Kripomann natürlich nicht ganz so gut gefallen, weshalb der Brenner mit hohem Bogen aus dem Klub der Gesetzeshüter ‘raus gepfeffert wurde. Das macht dem Brenner aber gar nichts, denn bei dem Rettungsdienst der “Kreuzretter” findet der Brenner seine wahre Berufung. Dass er von seinem Chef, dem Junior, als “Arschloch” bezeichnet wird, macht ihm überhaupt nichts. Denn “Arschlöcher gefallen ihm”, dem Junior. Ausserdem mag er den Junior ja eigentlich auch ganz gerne. Hin und wieder ist er zwar streng und autoritär, aber so ein moralischer Zeigefinger gehört ja auch irgendwo dazu. An seiner Seite steht dem Brenner der Berti, und auch wenn der Brenner das nicht zugeben will, und er das gerne dadurch zu verbergen versucht in dem er sich über Zivildienstler – wo der Berti ja einer ist – lustig macht, so hat er den Berti ja doch sehr sehr gerne. Wen der Brenner nicht so gerne hat ist der Piefke – so eine ungute Zwiebel. Ab und zu schnackselt der nämlich gerne mit der Angelika herum – das ist die Tochter vom Lanz der ein sehr lieber, schrulliger Kollege vom Brenner ist. Das hält der Piefke dem Lanz auch mal gerne vor. So etwas intolerantes kann der Brenner nicht haben, typisch, diese Deutschen.

Wen der Junior gar nicht mag sind die Leute vom Rettungsbund. Richtige Ungustel die  unverschämter Weise an das Funksignal der Kreuzretter ‘ran gekommen sind, es schamlos ausnutzen und den “Rettern” die Kunden vor der Nase wegschnappen. Das passt dem Berti und, auch wenn er es wieder mal nicht so aussehen läßt, dem Brenner genauso wenig. “Wie die Raubritter!” entgegnet der Berti diesem Problemfall trocken wie treffsicher zugleich: “Weißt wos des heißt? Krieg, Supa!”. Und auch der Brenner ist sich dieser Sache mehr als bewusst: “Ja, und des im Zivildienst.” Da kommt es dem Brenner und dem Berti ganz gut dass der Junior den Brenner, weil er ja Polizeierfahrung mit sich bringt, beauftragt der Sache auf der Stelle nachzugehen. Das findet der Brenner “supa”, da ist er in seinem Element und kann endlich zeigen was er auf dem Kasten hat. Und als dann auch noch ein blutiger Doppelmord einer ehemalige Fahrerin der Kreuzretter und ihrem Liebhaberer Stenzl, dem Verwaltungsdirektor eines Krankenhauses, geschieht, scheint der Fall neue, spannende Züge anzunehmen.

Zumindest für kurze Zeit, denn der Brenner – so geschickt und intelligent wie er doch ist, weiß sofort wer den Mord begangen hat. “Da Piefke”. Diese Vermutung verdichtet sich als der Brenner einen Ersatzkrankenwagen rufen musste (sein alter war nämlich im “Oasch”), in dem der Piefke zu tode stranguliert ‘rum kugelte. Seine Nachforschungen ergeben nämlich, dass die Angelika auch den Stenzl hin und wieder geschnackselt hat und aus Eifersucht den Piefke damit beauftragt hat, mit dem Herrn Verwaltungsassistenten kurzen Prozess zu machen. Und damit der Piefke auch ja nichts ausplaudert, ging sie auf Nummer sicher dass sich ihr Herr Papa um den Piefke kümmert. “Da host du da g’docht ‘I blos dem Piefke einen und der Papa wird’s scho richten.’” Dabei kann der Brenner aber nur erahnen dass der Fall ihn noch weiter in die dunkelsten Geheimnisse der Kreuzretter und dem blutigen Bandenkrieg zwischen ihnen und des Rettungsbundes führen würde. Denn eine Sache wird dem Brenner richtig schnell klar: In dieser morbiden Welt ist niemand so wie er scheint, denn jeder hat ‘scheiße am Hut’… ausser der Brenner… zumindest nicht ganz so viel.

“‘Die größten Trottl sind heute bei der Rettung!’
‘Is’ des a Bewerbung?’

brenner

Wie schon im Roman wird auch in der filmischen Umsetzung der beißende, satirische Humor mit vielen Elementen des Film-Noir vermischt. Film-Noir auf Österreichisch. Das ist die treffende Bezeichnung die den Film als großes Ganzes beschreibt. Neben dem noirtypischen Erzähler der uns die Lage innerhalb des Filmes aus dem Off beschreibt, wäre da der Brenner, Ex-Detektiv, ist ein gebrochener Antiheld der mit Sicherheit genau so viele Leichen in seinem Keller hat, wie die bösen Buben im diesem Film höchst selbst. Doch was fasziniert uns so sehr an seinem Charakter? Er ist stets schlecht gelaunt, was er sagt preßt er heraus wie Galle und eine Unterhaltung “wie mit einem normalen Menschen” wird man mit ihm nicht führen können. Aber hallo, das ist doch der Stoff aus dem echte Noirhelden gemacht sind, es ist doch gerade dieser verflucht fiese Zynismus der uns so sehr unterhält. Vielleicht brauchen wir hin und wieder einen solch imperfekten Helden wie ihn, der sich durch sein eigenes Leben prügelt, immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat den er den Bösewichten entgegnen kann und uns zeigt, dass unser Leben auch miserabler sein könnte. Immerhin könnten wir so leben könnten wie der Brenner. Er säuft, er kifft und er fickt sich durch ganz Wien um an Informationen des Mordfalles zu kommen. Und man kann ihm einfach nicht böse sein. Das liegt wohl vor allem an der glänzenden Darstellung von Josef Hader. Er verleiht Brenner Etikette und ein Gesicht,  auch wenn er sich in vielen Zügen manch einer Vorstellung aus dem Buch unterscheidet, so kann man ihm doch nur sehr schwer diese Rolle und diese schlicht erhabenen Interpretation absprechen. Josef Hader aka. Simon Brenner – das sind die Helden unserer Generation. Keep on drugging baby!

Doch was wäre ein guter Film-Noir ohne seine intrigante Femme Fatal? Diese Rolle übernimmt spielend Nina Proll als Angelika Lanz. Dabei nimmt sie einen anderen Ansatz als man ihn sonst von Noirfemmes gewohnt ist. Sie ist nicht diese verführerisch, geheimnisvolle Herzensdame unseres Antihelden, das würde auch überhaupt nicht in Herrn Murnberger’s Filmkonzept und der Gossendarstellung des Filmes passen. Die Angelika ist eine fleischige Großstadthure, allerdings eine mit sehr viel Herz. Zwar ist sie sicher nicht die Frau der Träume die sich der Brenner wünscht, wirkt in ihrer feinfühligen und überraschend verletzlichen Charakterisierung irrsinnig charmant.

Wer aber wirklich Brenner’s Herz erobern darf ist wohl die Klara. Eine alte Schulliebe die er nach Jahren wieder trifft, als sie in einem Autounfall verwickelt wird und der Brenner zur Rettung dort hin geordert wird. Sie ist definitiv die Seele, nicht nur vom Brenner, sondern gleich vom ganzen Film. Ohne sie würde ganz klar die emotionale Balance fehlen und der Film dadurch eindeutig zu Kühl wirken. Auch, oder gerade ‘weil’ man kein Freund der obligatorischen “Damsel in distress” ist, wird einem Barbara Rudnik als Klara sehr gut gefallen. Auch wenn sie im Gegensatz zu den anderen Figuren relativ einschichtig ist, so fungiert sie gerade bis zum großen Finale als mehr, als nur die Braut des Helden. Sie bereichert die Story um einen entscheidenden Punkt und ist Brenners wahre moralische Stütze. Habe ich schon die fabelhafte Sexszene zwischen den beiden erwähnt? Nur soviel: skurril und dreckig. Barbara Rudnik ist eine absolute Idealbesetzung. Natürlich ergibt sich zunächst ein sehr eigenartiger Kontrast, da Rudnik als deutsche Schauspielerin eine eingesessene Wienerin mimt, allerdings zeigt sie das zu keiner Zeit, spricht (im Gegensatz zu Bernd Michael Lade als “Piefke”) in einem ruhigen aber bestimmten Hochdeutsch was auf eigenartige Art und Weise auch noch sehr gut zum Konzept der Klara – eine Karrierefrau aus gutem Hause – passt.

Der geheime Star des Filmes ist aufjedenfall Simon Schwarz der als unbeholfener Berti ganz klar die meisten Sympathiepunkte abbekommt. Und das vollkommen zurecht. Bertis Präsenz verleiht dem Streifen einen gesunden Buddymovietouch. Berti analysiert knallhart (“Du host nur zwa Gefühlsregungen: entweder du bist schlecht gelaunt oda dia is olles wurscht!”) und hat zu jeder Situation das richtige zu sagen (“Du bist total unsensibl”). Berti ist der Stichwortgeber vom Brenner der in seiner jungen Naivität unseren Antihelden stets dazu anheizt das richtige zu tun. Mehr als das, wird Berti dem Zuseher für längere Zeit im Gedächtnis bleiben, dank einer der wohl makaber humoristischsten Szenen der europäischen Filmgeschichte (ich sage an dieser Stelle nur “Knarre gegen Scheibe”). Simon Schwarz brilliert in dieser rolle und gibt der Figur mehr noch als in der Buchvorlage ein eindringliches Profil und wird neben dem kauzigkultigen Brenner, einem noch viel länger im Gedächtnis bleiben. Seine feuchtfröhlich naiven Monologe in denen er Brenner dazu bekehren versucht dem Teufel “Alkohol” und Beelzebub ”Marihuana” abzusagen sind scharf wie eine Rasierklinge und auf ganz hohem Niveau. Wer, wenn nicht Herr Schwarz, könnte dies so brilliant und charmant zur Geltung bringen? Oh ja, Simon Schwarz’s Berti ist ein Mann für gewisse Stunden… zum Beispiel zum saufen gehen… oder kiffen…

Der Brenner hat es sofort gerochen: Mein lieber Schwan,
der
Dunst ist nicht nur vom Rauchen und vom Saufen gekommen.
Vielmehr
dünker… quasi das mit den Hormonen…. das Sexuelle!


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Komm, süßer Tod’ ist ein schauriges Bild des modernen Gesundheitswesens, wie es sich kein Diabetiker oder sonstiges ‘Dings’ wünschen würde. Murnberger präsentiert uns eine fast schon verstörende Welt, in der sich Rettungsdienste einen Dreck um ihre Patienten scheren, ihre Kilometerzähler manipulieren da sie ja für jeden gefahrenen Kilometer 8 Schilling von der Gemeinde Wien bekommen, und Sanitäter ihren Diabetikern Zuckerinfusionen verabreichen sobald sie im Testament ihrer Opfer mit einem hohen Spendengeld vermerkt sind. In der Welt von Simon Brenner gibt es keine gutherzigen Rettungswagenfahrer, keine ‘Retter in der Not’. Sie saufen, rauchen, ficken, essen, schlafen und wiederholen diesen Prozess in möglichst runden Abständen.

Tatsächlich leben wir in einer Welt des Narzissmus’ und des zynischen Materialismus’. Und trotz der Tatsache das der Film schon fast 9 Jahre auf dem Buckel hat, hat er bis heute nichts – oder nur sehr wenig – von seiner Aktualität verloren. Zwar distanziert sich der Film durch seinen beißenden, grotesken Humor so weit es Geht von einer uns greifbaren Realität, aber wie in jeder Groteske wirkt das ganze Szenario wie eine lediglich überspitzte Darstellung von Tatsachen. Und das kann dem Betrachter schon einen kleinen Schauer den Rücken hinunter Jagen, wenn man es nun zulässt. Der Film spielt dabei regelrecht mit der Vorstellungskraft seiner Zuschauer. Zwar wird das gesehene stets mit einer feinen Prise frisch gepfeffertem Humor garniert, und tatsächlich amüsiert man sich köstlich über diese Realitätspervertierung, doch sobald das Lachen verhallt und der Abspann gesehen ist, wünscht man sich für eine Kurze weile nur eines: Nur nicht mit dem Auto gegen eine Wand brettern und versuchen Rettungswagen soweit es geht aus dem Weg zu gehen. Zumindest in einem so gefährlichen und korrupten Pflaster wie Wien.

Wolfgang Murnberger’s Inszenierung der rabenschwarzen Realitätssatire ist tadellos, das inkludiert natürlich sein hervorragendes Storytelling. Dabei spielt er sich nicht mit irgendwelchen Farbfiltern, sondern stellt diese sich selbst stets karikierende Welt in meist kalten, blassen Farben dar und hält das Bild so gut es geht in der Realität. Ich denke es war Edward R. Pressman der einst sagte dass Filme eine Flucht aus der Realität sein sollen. Da überrascht es fast schon wie Murnberger in die genau entgegengesetzte Richtung geht. Die Dialoge sind zwar stets gebissen scharf und werden durch den lässigen Wienerslang butterweich vorgetragen, wirken allerdings zu keiner Zeit aufgesetzt oder fehl am Platz. Da merkt man dass Hauptdarsteller und seines Zeichens Kultkabarettist Josef Hader selbst an der Entwicklung des Drehbuches beteiligt war. Was gesprochen wird, ist so zwar stets nahe an der Romanvorlage dran, entfernt sich davon aber weit genug um Josef Hader’s Stilgebenden Dialogen einen fast schon perfiden Standort zu verabreichen. Während der Roman stets im Dialekt, aber trotzdem relativ bodenständig geschrieben wurde, wird in der Verfilmung gleich ein ganzes dutzend feinstem Wienerchargon ‘drauf gelegt, büßt dabei allerdings an einigen stellen etwas der Spannung der Romanvorlage ein. Urkomisch ist der Film stellenweise daher schon, die Spannungskurve wie im Buch kratzt er dafür allerdings nie.

Es ist wohl auch absolut nicht die Absicht von Murnberger gewesen dem Roman in Sachen Spannungs- und Krimigehalt nachzuziehen. Immerhin stammt das Drehbuch ja auch von Romanautor Wolf Haas (der den ein oder anderen charmanten Cameoauftritt, als Sanitäter der an einem Roman schreibt, hat). Und der hätte die Geschichte wohl noch am ehesten so nahe wie möglich an sein eigenes Werk gehalten. Viel mehr versucht Murnberger die ganzen Horrorgeschichten, die sich zumeist Rentner untereinander über die Rettungsdienste erzählen, so humoristisch wie möglich auf Film zu bannen. ‘Komm, süßer Tod’ ist eine Satire über den Rettungswagenfahrerberuf ansich und funktioniert so auch einfach blendend. Murnberger lacht sich regelrecht einen ab und macht sich von Minute zu Minute lustig über abergläubische Rentner und Unfallopfer. Eigentlich kein sehr charmanter Zug, ethisch gesehen wohl auch vollkommen daneben… aber hey, so sind wir halt, wir Ösis.

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Hand aufs Herz: inszenatorisch reißt der Film absolut keine Bäume aus. Nicht einmal das Erscheinungsjahr, ’2000′, kann diesen Eindruck trügen. Sogar ‘Tatort’ Episode dieser Zeit waren sicherlich auf gleichem, wenn nicht gar höherem Niveau. Wahrscheinlich widerstrebte das auch der Intention von Herrn Murnberger. Es galt eine treffsichere, humoristische und in gewisser Weise gesellschaftskritische Geschichte zu erzählen. Und das gelingt ihm durch diesen simplen Look tadellos. Wo der Film wirklich überrascht sind diese vielen Kleinigkeiten die der Inszenierung einen sehr eigenen, urigen Charakter verleihen. Sei es die Bezeichnung eines ‘Leberkäses mit kleiner Pfefferoni” als “Spenderleber” oder dem stilistischen Einsatz der Musikpassage “Komm, süßes Kreuz” aus der Matthäus Passion.

Zu diesen feinen Kleinigkeiten zählt sicher auch der fantastische Soundtrack der wiener Trip-Hop Band “Sofa Surfers”, die ein breites Repertoire von zumeist dumpfen, tiefgesetzten Synthiebässen auffahren und den Film damit in ein bedrückendes Tief tauchen. Das ist fantastisch und hat einen irrsinnigen Wiedererkennungswert. Gerade dieser Sound ist es doch, der Fans der Wolf Haas Verfilmungen noch lange im Gedächtnis bleibt und bezeichnend für die allgemeine Grundstimmung des Filmes ist. In so einfachen Sounds kann man einen Film also charakterisieren. So “klingt” Wien zur Jahrtausendwende.

Ein fabelhafter Soundtrack, perfekt auf die Rollen zugeschnittene Schauspieler, eine morbide Inszenierung, beißend zynischer Humor und ein prägnantes Drehbuch basierend auf einem kultigen Roman mit tieferer Aussage. ‘Komm, süßer Tod’ gehört zurecht zu den wertvollsten Zeitdokumenten des österreichischen Filmes. Diese elegante Lebenssatire wird den Betrachter noch über Tage hinweg verfolgen, sich über ihn amüsieren und zugleich über eine gewisse, tiefere Bedeutung nachdenken lassen. Was diese ist sei jedem selbst überlassen herauszufinden. Natürlich wird gerade der Humor und Slang manch einen ausserhalb der Alpenrepublik abschrecken, doch wer sich die Zeit nimmt in diese fantastische Welt aus Korruption, Sex, Gewalt und ‘Trottln’ einzutauchen, der wird sich nur schwer diesem Bann wieder entziehen können. Als großes Ganzes zählt ‘Komm…’ sicher nicht zu den besten Filmen, doch seinen Platz bei den unterhaltsamsten hat er sich schon längst eingenommen. Und den könnt nichtmal ihr Piefkes ihm streitig machen!

Noir-Groteske, Österreich 2000
Mit: Josef Hader, Simon Schwarz, Nina Proll,  Barbara Rudnik, Karl Markovich
Regie: Wolfgang Murnberger 

1 Comment »

One Response to “Filmrezension: Komm, Süßer Tod | "komm, süße groteske" teil 1”

  1. [...] sein? Gehe ich rein vom Unterhaltungswert aus, muss ich sagen, dass ich in weiten Teilen ‘Komm, süßer Tod‘ wesentlich mehr genossen habe. Die Gags waren schärfer und der großartige Simon Schwarz [...]

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